Windräder im Pfälzerwald? Kontroverse Diskussion am 18.4.2013

 

Als eine von 10 Diskutanten war ich zu dieser Diskussion von Green RoundTable, einem Forum von Bürgern für Bürger, eingeladen.

Dass in diesem Thema durchaus Zündstoff steckte konnte man gleich zu Beginn der Diskussion schon leicht feststellen. Herr Gerber zeigte anhand von Fotos auf, dass die Windränder mit großen Transportlastwagen herangeschafft werden müssen und die Generatoren solcher Windräder die Größe von 8 Omnibussen haben würden. Dies wurde im Publikum mit großem Beifall bedacht. Windrad ist nicht gleich Windrad. Die Diskussion drehte sich jedoch nicht um Kleinwindräder, die in jedem Garten oder jedem Hausdach montiert werden können, sondern um solche mit einer Nabenhöhe von ca. 140 Metern.

 

Sehr viel Raum fanden die Aspekte Landschaftsethik und Tourismus. Herr Gerbes kritisierte dabei, dass keine Gutachten hinsichtlich Auswirkung auf den Tourismus vorhanden sind. Der Pfälzerwald als Biosphärenreservat genießt einen hohen Erholungswert, Befürchtungen wurden laut, dass durch die Aufstellung von Windrädern der Tourismus zurück gehen könnte. Andererseits wurde auch darauf hingewiesen, dass nur einige Gebiete für die Errichtung von Windrändern in Frage kommen würden.

Will man das Ziel in 2030 100% des rheinland-pfälzischen Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien zu decken, erreichen, sind dazu rund 2% der Landesfläche für die Nutzung als Windkraftgebiete vorgesehen. Während einer konkreten Planung durch die regionalen Planungsgemeinschaften werden die exakten Zahlen ermittelt. Marita Wolf: Eine wesentliche Voraussetzung für die Ausweisung von geeigneten Flächen stellt die Windhäufigkeit dar. Um Wirtschaftlichkeit zu erzielen sind Standorte mit einer mittleren Jahreswindgeschwindigkeit von 5,8 bis 6,0 m/sec in 100 m über Grund geeignet. Dabei hat sich die Verbandsgemeinde Annweiler mind. 6,0 m/sec als Ziel gesetzt.

Die Potenzialgebiete der Verbandsgemeinde Annweiler über die Suchräume gem. Bauleitplan wurden mittels einer Karte aufgezeigt. Darin ersichtlich ist auch die bereits vorhandene Hochspannungstrasse für die Netzeinspeisung.
Herr Richter, langjähriger Bio-Winzer, befasst sich schon sehr lange mit dieser Thematik und spricht unsere Verantwortung gegenüber der nächsten Generation an und greift das Thema Emotionalität auf, denn wir werden gemessen an dem, was wir tun. In diesem Zusammenhang wurde Bezug genommen auf eine Studie der Uni Freiburg, die besagt, dass man grundsätzlich sagen könnte:

  • Gut gebildete, qualifizierte ältere Personen sind dagegen, während
  • gut gebildete, qualifizierte jüngere Personen dafür sind.

Gäste die während der Pause zu mir an den Meeting Point kamen vermissten im ersten Teil der Diskussion die Themen

  • Wirtschaftlichkeit
  • Speicherung
  • Rückbau und Entsorgung
  • Investitionen in dieser Region, sowie
  • Bürgerbeteiligungen zur Kapitalbindung innerhalb dieser Region

Diese Themen konnte ich im zweiten Teil der Diskussion einbringen: Ich führte dabei aus: Der folgenden Generation geschuldet ist auch die Entsorgung und Rückbau dieser Anlagen. Entgegen der Entsorgung und Lagerung von Atommüll ist der Rückbau und die Entsorgung von Windrädern sehr einfach und umweltverträglich. Für den Rückbau sind derzeit ca. 8 Arbeitstage erforderlich, der zurückbleibende Beton kann rückstandsfrei in den Baustoffkreislauf zurückgeführt werden. Hier schneidet die Atomenergie wesentlich kostenintensiver ab – und hat eine jahrzehntelange Rückbauphase zur Folge.

Windräder produzieren nur Strom, wenn auch Wind weht. Deshalb entstehen Schwankungen, die entweder durch andere Energieträger (Solar, Biomasse) oder durch Speicherlösungen aufgefangen werden können. Zwischenzeitlich ist die Speicherung mittels AKKU oder Batterien möglich, die Ergebnisse sind noch nicht zufrieden stellend und die Forschung stellt sich dieser Herausforderung. Gleichzeitig entstehen aber im internationalen Verbund verschiedene Chancen z.B. hier produzierten Strom aus Wind in Norwegen in Pumpspeicherkraftwerken zu speichern.

Früher sei der Pfälzerwald als „Wirtschaftskraft“ genutzt worden brachte ein anderer Diskussionsteilnehmer ein. Durch Nutzung der Windenergie würde dieser neu aufgewertet und eben zur Energiegewinnung genutzt. Für diese Nutzung spräche auch, dass Investitionen (Kapital) in der Region bleiben und nicht abfließen und Arbeitsplätze geschaffen werden würden. Auch Bürger können sich an den zu errichtenden Windanlagen beteiligen. Neben einer attraktiven Rendite leistet er damit auch einen sinnvollen Beitrag zum Gelingen der Energiewende.

Windkraft – und Windkraft im Pfälzer Wald – ein Thema über das sicher noch viel geredet werden wird.

Wie sich die Diskussion aus der Sicht des Veranstalters darstellte, finden sie in dem Blogeintrag von Green-round-table.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich fast 70% der Teilnehmer der Blogumfrage auf der Webseite von Green RountTable, für Windkraft aussprechen, den Pfälzerwald dafür als Standort jedoch ablehnen.Diesem Phänomen begegnen wir fast bei allen Fragestellungen - nach dem Motto:

"Man muß was tun - es sollen andere tun aber nicht ich."